Mittwoch, 26. September 2012

Holzofen Backabenteuer (Teil 1)

Nachdem ich nun schon eine ganze Weile Brot selbst backe, reizte mich das Thema Holzofen immer mehr. Zwar gibt's auch bei uns in der Nähe einige Backhäuser - aber die Gruppen dort backen schon seit Jahrzehnten und sind nicht ganz so offen für Neubäcker.

Da traf es sich umso besser, dass Laufpartnerin S. von Bekannten einen Holzbackofen in den Garten gestellt bekam. Und zwar einen Prototyp, den wir auf Herz und Nieren testen durften. Ein echter Glücksfall.

Und ein echtes Abenteuer, denn keine von uns drei Bäckerinnen hat je mit einem Holzbackofen gebacken, geschweige denn einen angefeuert - und Anleitung gab es auch keine. Echtes learning by doing war angesagt!


Wir haben den Ofen so richtig gefordert. Zu dritt haben wir rund 6 Stunden gebacken was das Zeug hält. Wie gut, dass es von Küche zum Ofen nicht zu weit war ;-) 

Am Ende waren wir selbst völlig baff von unserer Ausbeute. Und bis auf ein paar "Röstaromen", weil uns die Hitze mal wieder überrascht hat, gab es nur tolle Ergebnisse. Ja, ich bin jetzt noch satt ;-)


Ich habe mich gleich in das Ofen-Modell verliebt. Der Ofen besteht aus 3 Teilen (à 50 kg) und ist mit Schamotteplatten ausgekleidet. Durch die Aufteilung lässt er sich auch prima transportieren. Ganz unten wird gefeuert, in den beiden oberen Teilen gebacken. Und schon das Anfeuern ist eine Kunst für sich. Welches Holz nehmen und wie lange wird es dauern, bis wir backen können?


Wir haben schnell bemerkt, dass der Ofen in kürzester Zeit Temperaturen erreicht, die jeden Backofen blass werden lassen. Zum Glück hatten wir das Hightech Temperaturmessgerät, sonst hätten wir nur Briketts gebacken ;-)

Die wirkliche Herausforderung ist der Umgang mit der Hitze, bzw. gleichmäßige Hitze zu erzeugen. Hier würden wir nächstes Mal häufiger im mittleren Fach "anbacken" und oben wo es "kälter" ist (bedeutet: weniger als 450 Grad...), fertig backen.

Wichtig sind auch die richtigen Backformen für Quiche und Co - mit beschichteten Springformen braucht man hier gar nicht zu beginnen. Hier kann nur noch unbeschichtete Ware eingesetzt werden. Seit heute bin ich also Besitzerin einer Blaustahlbackform, die ideal für solche Zwecke ist!


Gebacken wurden verschiedenste Lieblingsrezepte von uns Mädels und einige Brotstandards, um den Ofen wirklich auf Herz und Nieren zu testen.

Los ging's mit einer Farinata, einem Fladen aus Kichererbsenmehl. Wir haben dann schnell bemerkt, dass die Verwendung von Backpapier bei diesen Temperaturen einfach dämlich ist...
Die Farinata hat meinen Mitbäckerinnen super geschmeckt. Ich bin nicht so der Fan von Kichererbsen im Allgemeinen und Speziellen - und so hat mich der Fladen auch nicht 
vom Hocker gehauen.


Weiter ging es mit einem Baguette....


 ... und Brötchen. Beides ist uns richtig gut gelungen, obwohl wir die Geh-Zeiten etwas improvisieren mussten, bis der Ofen in Sache Hitze bereit war. Sowohl Brot als auch Brötchen kamen perfekt knusprig aus dem Ofen. Kein Vergleich zum Backofen.


Natürlich gab es auch unser Standard-Sauerteigbrot. Das ist ebenfalls richtig toll geworden - ebenfalls so gut, dass ich eigentlich gar keines mehr aus dem Zuhause-Backofen möchte.


Natürlich darf bei einer richtigen Holzofenbackorgie bei drei Schwäbinnen auch der klassische Krautkuchen nicht fehlen. Der Hefeteig war hier aus Dinkelmehl - und die Füllung sensationell gewürzt. Selbst meine kritischen Krautkuchenexerteneltern waren hier vom Ergebnis total begeistert.


Auch ohne Pizza Eva ist so ein Backofentest undenkbar. Hier aufgrund der Hitze (zu diesem Zeitpunkt um die 450 Grad) unterstützt von Frau Kuechenlateins ehemaligem Brötchenblech. Wir waren so fasziniert, dass wir der Pizza quasi in wenigen Minuten beim Backen zusehen konnten. Auch hier haben wir uns ziemlich schnell darauf geeinigt, dass wir ganz ganz selten so eine leckere und knusprige Pizza gegessen haben.


So eine Backsession geht natürlich gar nicht ohne meine Lieblingslauchquiche.
Allerdings mit dem knusprigen Mürteig von der Gastgeberin - ebenfalls ein Traum. Ich habe den Bergkäse mit einem antiken Käsehobel aus der Sammlung der Gastgeberin zerkleinert. Wahnsinn, was es früher für praktische Geräte gab. Damit hobelt man mal eben ein halbes Pfund Käse in kürzester Zeit. So ein Teil brauche ich auch - werde wohl ein paar Flohmärkte abklappern in nächster Zeit!


Wir waren schon pappsatt als noch eine paar Äpfel verarbeitet werden wollten.
Ein einfacher Mürbteig mit Guss und Amarettinibröseln - und der perfekte Ausklang mit einer Tasse Metzinger Kaffee in der Sonne mit ...

 

... Blick auf das Schätzchen im Garten!

 

Ich bin wirklich total begeistert von diesem Holzofen. Schon rein optisch gefällt er mir richtig gut. Schön massiv verarbeitet, nicht vergleichbar mit Billigmodellen.

Das Thema Heizen und gleichzeitig die Gare der verschiedenen Backwaren zu koordinieren, ist natürlich zu Beginn etwas tricky. Aber das Ergebnis hat uns wirkich voll uns ganz überzeugt.

Da er noch ein bisschen in diesem schönen Garten stehen bleibt, werden wir das Ganze nochmals testen und unsere Erfahrungswerte einfließen lassen.

Und ich persönlich schaue mich dann erst mal nach einem Garten um, wo ich das Schätzchen dauerhaft abstellen könnte ;-)